Christus und die Apostel wurden zu ihrem eigenen Volk gesandt

Gott erwählte sich das Volk Israel und unterstellte es durch Mose seinem Gesetz (Gal. 3:23Ehe denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben, der da sollte offenbart werden.). Der verheißene Messias sollte kommen, um die zu erlösen, die „unter dem Gesetz“ waren (Gal. 4:4-5[4] Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz getan, [5] auf dass er die, so unter dem Gesetz waren, erlöste, dass wir die Kindschaft empfingen.). Er sollte die erlösen, die im leiblichen Sinne von Gott waren (Hebr. 1:11 Sintemal sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt und die da geheiligt werden. Darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen ...). Er sollte die erlösen, die im leiblichen Sinne von Abraham waren (Hebr. 1:16:17[16] Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams nimmt er sich an. [17] Daher musste er in allen Dingen seinen Brüdern gleich werden, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu versöhnen die Sünden des Volks.). Folgerichtig wurde Jesus nur zu den 12 Stämmen Israels gesandt (Matth. 15:22-24[22] Und siehe, ein kanaanäisches Weib kam aus derselben Gegend und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. [23] Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Lass sie doch von dir, denn sie schreit uns nach. [24] Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel., vgl. Joh. 11:50-52[50] bedenket auch nichts; es ist uns besser ein Mensch sterbe für das Volk, denn dass das ganze Volk verderbe. [51] (Solches aber redete er nicht von sich selbst, sondern weil er desselben Jahres Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk; [52] und nicht für das Volk allein, sondern dass er auch die Kinder Gottes, die zerstreut waren, zusammenbrächte.)). Jesus liefert selbst einen Kommentar zu seinen Worten, dass er „nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel“ gesandt sei: Er prophezeit, dass das Haus Israel – die zerstreuten 10 Stämme – bald an ihn Glauben werden (was historisch auch genauso geschah) und dass das Haus Israel und das Haus Juda vereint sein würden: Joh. 10:16Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle; und dieselben muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden.. Auch Menschen außerhalb Israels können Glauben haben (Matth. 15:25-28[25] Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! [26] Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. [27] Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herren Tisch fallen. [28] Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselben Stunde., Luk. 7:8-9[8] Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Kriegsknechte unter mir und spreche zu einem: Gehe hin! so geht er hin; und zum andern: Komm her! so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das! so tut er’s. [9] Da aber Jesus das hörte, verwunderte er sich über ihn und wandte sich um und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden!). Ob aber z. B. die kanaanitische Frau aus Matth. 15 oder der Hauptmann aus Luk. 7 ihrer eigenen Seelen Seligkeit erlangten, ist nicht belegt, nur, dass ihre Kranken gesund wurden. Nach 1. Joh. 2:1-2[1] Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf dass ihr nicht sündiget. Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. [2] Und derselbe ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. gilt das Angebot der Vergebung der Sünden allen Menschen.

Jesus erwählte sich 12 Jünger. Warum, wenn nicht als Hinweis auf die 12 Stämme Israels? Seinen Jüngern gebot er, nur den 12 Stämmen Israels zu predigen (Matth. 10:5-6[5] Diese zwölf sandte Jesus, gebot ihnen und sprach: Gehet nicht auf der Heiden Straße und ziehet nicht in der Samariter Städte, [6] sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel.). Die „verlorenen Schafe aus dem Hause Israel“, zu denen Jesus seine 12 Jünger seinerzeit schickte, waren außerhalb Judäas, in nicht geringer Zahl unter den Römern und „Griechen“, in nicht geringer Zahl unweit von Judäa, mehrheitlich aber jenseits des Euphrat.

Die „Griechen“, die in Joh. 12:20-23[20] Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinaufgekommen waren, dass sie anbeten auf dem Fest. [21] Die traten zu Philippus, der von Bethsaida aus Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesum gerne sehen. [22] Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagten’s weiter Jesus. [23] Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass des Menschen Sohn verklärt werde. nach Jesus fragten, müssen vom Haus Israel gewesen sein, sonst hätten sie am Tempel nicht anbeten dürfen. Vielmehr wären sie nur zum Vorhof der Wechsler und Händler (Matth. 21:12-13[12] Und Jesus ging zum Tempel Gottes hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß um der Wechsler Tische und die Stühle der Taubenkrämer [13] und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: „Mein Haus soll ein Bethaus heißen“; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.) zugelassen gewesen, bei Todesstrafe aber nicht zum Tempelbezirk, in dem geopfert und angebetet wurde (F. Josephus: Antiquitates Judaicae, Bd. XV, Kap. 11:5Thus was the first enclosure. In the midst of which, and not far from it, was the second, to be gone up to by a few steps: this was encompassed by a stone wall for a partition, with an inscription, which forbade any foreigner to go in under pain of death. Now this inner enclosure had on its southern and northern quarters three gates [equally] distant one from another; but on the east quarter, towards the sun-rising, there was one large gate, through which such as were pure came in, together with their wives; but the temple further inward in that gate was not allowed to the women; but still more inward was there a third [court of the] temple, whereinto it was not lawful for any but the priests alone to enter. The temple itself was within this; and before that temple was the altar, upon which we offer our sacrifices and burnt-offerings to God.). Der Evangelist Johannes überlieferte die Anfrage der „Griechen“ so genau, um die Antwort Jesu zu zeigen: Jesus reagierte auf das Interesse der hellenischen Israeliten an seiner Person mit dem Hinweis, dass seine Zeit gekommen wäre. Er bestätigte damit, dass er zum Haus Israel gesandt war (Matth. 15:24Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel.). Es war der Sprachgebrauch der Zeit, die verstreuten Schafe des Hauses Israel als „Griechen“ zu bezeichnen, Joh. 7:35Da sprachen die Juden untereinander: Wo will dieser hin gehen, dass wir ihn nicht finden sollen? Will er zu den Zerstreuten unter den Griechen gehen und die Griechen lehren?; auch die Juden wussten also, dass Jesus nie andere Adressaten als Israeliten gesucht hätte.

Eine Bibelstelle scheint anzudeuten, dass Jesus sich auch um Nicht-Israeliten bemühte: in Johannes 4 bei der Begegnung mit der samaritanischen Frau am Brunnen. Die Samariter waren ein Mischvolk, in dem viele Nachfahren der 10 Stämme Israels lebten. Die Frau am Brunnen war eine Israelitin, denn sie bezeichnete Jakob als ihren Vater (Joh. 4:12Bist du mehr denn unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh.). Zu den israelitischen Bewohnern Samariens stießen noch viele Juden hinzu (Apg. 8:1Saulus aber hatte Wohlgefallen an seinem Tode. Es erhob sich aber zu der Zeit eine große Verfolgung über die Gemeinde zu Jerusalem; und sie zerstreuten sich alle in die Länder Judäa und Samarien, außer den Aposteln.). In Samarien wurde darum zu Recht durch die Apostel das Wort Gottes gepredigt (Apg. 8:25Sie aber, da sie bezeugt und geredet hatten das Wort des Herrn, wandten sich wieder um gen Jerusalem und predigten das Evangelium vielen samaritischen Flecken.), die zwar nicht in die Städte Samariens, aber doch zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gehen sollten (Matth. 10:5-6[5] Diese zwölf sandte Jesus, gebot ihnen und sprach: Gehet nicht auf der Heiden Straße und ziehet nicht in der Samariter Städte, [6] sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel.).

Kämmer aus dem Morgenland, Hauptmann Kornelius, Pfingsten

Der Kämmerer aus dem Morgenland, den Philippus taufte (Apg. 8:26-39), wird gern als Schwarzer dargestellt und als Beispiel eines Nicht-Israeliten, den die Apostel zum christlichen Glauben führten. Zu Unrecht. Er wollte anbeten (Apg. 8:27Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Mohrenland, ein Kämmerer und Gewaltiger der Königin Kandaze in Mohrenland, welcher war über ihre ganze Schatzkammer, der war gekommen gen Jerusalem, anzubeten,), wäre aber falsch informiert gewesen, wenn er geglaubt hätte, dass er als Ausländer zum Anbetungsbezirk des Tempels hätte vordringen können. Als Nicht-Israelit hätte er nicht hebräisch lesen und sprechen können. Er las aber laut aus der Jesaja-Rolle. Die war hebräisch geschrieben. Philippus konnte ihn lesen hören (Apg. 8:30Da lief Philippus hinzu und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und sprach: Verstehst du auch, was du liesest?) und verstand seine hebräische Aussprache gut. Der Kämmerer muss also ein Israelit oder Jude gewesen sein.

Eine verbreitete Fehlinterpreation rankt sich auch um den Hauptmann Kornelius aus Apostelgeschichte 10. An ihm soll der Apostel Petrus gelernt haben, dass entgegen den Worten Jesu nun doch die Heidenmission von Gott gewünscht wurde. Kornelius, so ist beschrieben (Apg. 10:1-2[1] Es war aber ein Mann zu Cäsarea, mit Namen Kornelius, ein Hauptmann von der Schar, die da heißt die italische, [2] gottselig und gottesfürchtig samt seinem ganzen Hause, und gab dem Volk viel Almosen und betete immer zu Gott.), spendete für das Volk der Juden; er und seine Familie glaubten an den Gott Israels. Sie waren keine Christen, waren auch keine konvertierten Juden, pflegten aber auch nicht den Vielgötterglauben der Römer. Also gehörten sie zu den 10 Stämmen Israels und nach Meinung der Juden somit nicht mehr zum Volk Gottes (Hosea 2:23Und ich will sie mir auf Erden zum Samen behalten und mich erbarmen über die, so in Ungnaden war, und sagen zu dem, das nicht mein Volk war: Du bist mein Volk; und es wird sagen: Du bist mein Gott.). Petrus predigte im Haus des Kornelius vor Menschen aus den 10 Stämmen Israels, die daraufhin gläubig wurden. Das entsetzte die Juden (Apg. 10:44-45[44] Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten. [45] Und die Gläubigen aus den Juden, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, dass auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward;). Zum Gebrauch des Wortes „Heiden“, siehe unten.

Zu Pfingsten predigten die Apostel lt. Apostelgeschichte, Kapitel 2, in fremden Sprachen zu vielen Nationalitäten. Der Bibeltext gibt deutlich Auskunft, dass die Adressaten Israeliten waren: Der Anlass für die ausländischen Besucher in Jerusalem zu Pfingsten war die Anordnung Gottes aus 3. Mose 23:15-16[15] Darnach sollt ihr zählen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Webegarbe brachtet, sieben ganze Wochen; [16] bis an den Tag nach dem siebenten Sabbat, nämlich fünfzig Tage, sollt ihr zählen und neues Speisopfer dem HErrn opfern,, Dankopfer für die Weizenernte darzubringen. Die dazu angereisten Gäste waren gottesfürchtige Juden, die in anderen Völkern wohnten, Apg. 2:5-11[5] Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. [6] Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurden bestürzt; denn es hörte ein jeglicher, dass sie mit seiner Sprache redeten. [7] Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen untereinander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? [8] Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darin wir geboren sind? [9] Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und in Judäa und Kappadozien, Pontus und Asien, [10] Phrygien und Pamphylien, Ägypten und an den Enden von Lybien bei Kyrene und Ausländer von Rom, [11] Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie mit unseren Zungen die großen Taten Gottes reden.. Die Kreter und Araber in Vers 11 werden erwähnt, weil sie nicht zum Haus Juda gehörten, sondern zum Haus Israel, welches zu der Zeit von den Juden als nicht zum Volke Gottes gehörig angesehen wurde, siehe oben. Petrus spricht seine Zuhörer insgesamt viermal an. Er sagt nicht: „Ihr Männer aus allen Nationen“, sondern: „Ihr Männer von Israel“ (Apg. 2:20Ihr Männer von Israel, höret diese Worte: Jesum von Nazareth, den Mann, von Gott unter euch mit Taten und Wundern und Zeichen erwiesen, welche Gott durch ihn tat unter euch (wie denn auch ihr selbst wisset),). Außerdem nennt er sie „Juden“ (Apg. 2:14Da trat Petrus auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch kundgetan, und lasset meine Worte zu euren Ohren eingehen.), „Brüder“ (Apg. 2:29Ihr Männer, liebe Brüder, lasset mich frei reden zu euch von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag.) und zusammenfassend „Haus Israel“ (Apg. 2:36So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zu einem Herrn und Christus gemacht hat.).

Luther übersetzt εθνη mit „Heiden“

Die Zuhörer im Hause des Kornelius (siehe oben) waren keine Heiden, wie die Luther-Übersetzung suggeriert (Apg. 10:44-45[44] Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten. [45] Und die Gläubigen aus den Juden, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, dass auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward;). Das griechische Wort hier heißt εθνη (ethne, Pl.), der Singular ist εθνος (ethnosThayer's Greek Lexicon:
1 a multitude (whether of men or of beasts) associated or living together
   1a) a company, troop, swarm
2) a multitude of individuals of the same nature or genus
   2a) the human family
3) a tribe, nation, people group
4) in the OT, foreign nations not worshipping the true God, pagans, Gentiles
5) Paul uses the term for Gentile Christians
) und bezeichnet wertfrei eine Lebensgemeinschaft von Menschen. Es könnte mit besserem Recht als „Stämme“ anstatt als „Heiden“ übersetzt werden. Dass das Wort ethnos in der Bibel konsequent als „Heiden“ oder „Nationen“ und nicht auch als „Stämme“ gedeutet wurde, war maßgeblich eine Folge der Theologie Martin Luthers, der die christliche Kirche als „geistliches Israel“ ansah, auf das die Verheißungen Gottes übergegangen waren, die eigentlich den Nachfahren Jakobs gegolten hatten. Diese Überzeugung des gesegneten Luther hat keine biblische Grundlage und war dem Dilemma geschuldet, dass man zu seinen Zeiten — vor Beginn systematischer archäologischer Grabungen und ohne detaillierte Kenntnis der Völkerwanderungen — Nachfahren der 10 Stämme Israels nirgends zu sehen vermochte und sie darum als verloren, ausgelöscht oder von anderen Völkern absorbiert ansah. Luther übersetzte das Neue Testament von einer griechischen Vorlage des Erasmus, dem textus receptus. In Zweifelsfällen befragte er die lateinische Vulgata des Hieronymus. Das griechische Wort ethnos erscheint in der Vulgata als gens, gentis f. (Adjektiv: gentilis m. f., gentile n.) und bedeutete im Altertum: „zur selben Sippe gehörig“. Diese Bedeutung entspricht durchaus der, die im griechischen ethnos häufig impliziert ist. Allerdings hat sich die Verwendung von gens, gentis im Laufe des Mittelalters verändert und sich bis zu Luthers Zeit ins Gegenteil verkehrt: „nicht zur eigenen Sippe gehörig“, heidnisch. Diese Bedeutungsumkehrung ist bis heute im Englischen erhalten (gentile = Heide oder heidnisch), nicht aber in den anderen romanischen Sprachen (Rheinfelder 1933Ital. i Gentili, frz. les Gentils mussten auch dem aus dem klassischen Latein übernommenen und in der Bedeutung weiterentwickelten gentilis weichen. Das Wort heißt ursprünglich „zu derselben Sippe gehörig“, wird dann im Mittelalter prägnant gebraucht, „zu einer vornehmen Sippe gehörig“; diese Bedeutung differenziert sich nach den ethischen (sozialen) und nach der ästhetischen Seite, ganz aus der höfischen Gesellschaft: die erstere Bedeutung („höflich“ usw.) nimmt das Wort in Italien und Spanien an, die letztere („anmutig“ usw.) in Italien, Spanien und Frankreich. Neben diesem vielgebrauchten Wort konnte sich gentilis „heidnisch“, „Heide“ nicht behaupten.

Hans Rheinfelder: Kultsprache und Profansprache in den romanischen Ländern: Sprachgeschichtliche Studien, besonders zum Wortschatz des Französischen und des Italienischen. Genf und Florenz: Georg Olms Verlag, 1933, Seite 131, Fußnote 4.
). Als Hieronymus die Vulgata schrieb, gab es schon das Wort paganus, -a, um für heidnisch. Es bedeutete: „auf dem Lande lebend“. Hieronymus verwendete paganus in der Vulgata nicht. Jedoch wurde diesem paganus (engl. pagan = heidnisch) das deutsche heidnisch nachgebildet: „auf der Heide lebend“ (Grimms Deutsches WörterbuchHeide, m. paganus. Das wort (in der ältern form heiden) ist ursprünglich ein adjectiv zu heide (in der bedeutung 1), nach der einführung des christenthums dem lat. paganus, bewohner des platten landes und gegenüber der christlichen lehre altgläubiger, nachgebildet, wie bereits Adelung ausgeführt hat; die nachbildung musz bei denjenigen deutschen stämmen erfolgt sein, die nähere berührung mit Rom, und kenntnis der römischen kirchenväter, welche das wort paganus in der zuletzt angeführten bedeutung seit dem 4. jahrh. brauchen, hatten.). Es gibt neben der theologischen Unhaltbarkeit („geistliches Israel“) also auch handfeste sprachwissenschaftliche Einwände gegen Luthers profus gebrauchten Titel „Heiden“ an all den vielen Stellen in der Bibel, wo vermutlich „zur eigenen Sippe, zu den Stämmen Israels gehörig“ ausgedrückt werden soll. Vergleiche auch das Wort ethnikos, das Christus in Matth. 6:7Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden [εθνικος]; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen. verwendet.

In Apg. 10:22Sie aber sprachen: Kornelius, der Hauptmann, ein frommer und gottesfürchtiger Mann und gutes Gerüchts bei dem ganzen Volk der Juden, hat Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte fordern lassen in sein Haus und Worte von dir hören. verbirgt sich in dem Ausdruck „bei dem ganzen Volk der Juden“ im griechischen Urtext das Wort ethnos: „bei dem ganzen ethnos der Juden“. Niemals könnte man ethnos hier mit „Heiden“ übersetzen. An anderer Stelle mag die Übersetzung „Nationen“ passend sein, z. B. in Lukas 12:30Nach solchem allen trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß wohl, das ihr des bedürfet.. In Röm. 9:23-25[23] auf dass er kundtäte den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er bereitet hat zur Herrlichkeit, [24] welche er berufen hat, nämlich uns, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden. [25] Wie er denn auch durch Hosea spricht: „Ich will das mein Volk heißen, dass nicht mein Volk war, und meine Liebe, die nicht meine Liebe war.“ liefert Paulus den sicheren Nachweis, dass es ihm um die Stämme Israels geht und nicht um die Heiden, denn der Prophet Hosea, den Paulus hier anführt, spricht ausschließlich vom Haus Israel (Hosea 1:6Und sie ward abermals schwanger und gebar eine Tochter. Und er sprach zu ihm: Heiße sie Lo-Ruhama; denn ich will mich nicht mehr über das Haus Israel erbarmen, dass ich ihnen vergäbe., Hosea 1:9-10[9] Und er sprach: Heiße ihn Lo-Ammi; denn ihr seid nicht mein Volk, so will ich auch nicht der Eure sein. [10] Es wird aber die Zahl der Kinder in Israel sein wie der Sand am Meer, den man weder messen noch zählen kann. Und es soll geschehen an dem Ort, da man zu ihnen gesagt hat: „Ihr seid nicht mein Volk“, wird man zu ihnen sagen: „O ihr Kinder des lebendigen Gottes!“). In 1. Kor. 5:1Es geht eine gemeine Rede, dass Hurerei unter euch ist, und eine solche Hurerei, davon auch die Heiden nicht zu sagen wissen: dass einer seines Vaters Weib habe. scheint ethne zu Recht wiedergegeben als „Nationen“ oder gar „Heiden“; vorstellbar ist aber ebensogut, dass der moralische Stand der in der Diaspora lebenden 10 Stämme zu jener Zeit weit niedriger war als der des Hauses Juda. Darauf könnte auch aus Gal. 2:15Wir sind von Natur Juden und nicht Sünder aus den Heiden; geschlossen werden, wenn man liest: „Wir sind von Natur Juden und nicht Sünder wie aus den Stämmen.“

Paulusbriefe

In Röm. 11:24-27[24] Denn so du aus dem Ölbaum, der von Natur aus wild war, bist abgehauen und wider die Natur in den guten Ölbaum gepropft, wie viel mehr werden die natürlichen eingepropft in ihren eigenen Ölbaum. [25] Ich will euch nicht verhalten, liebe Brüder, dieses Geheimnis (auf dass ihr nicht stolz seid): Blindheit ist Israel zum Teil widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei [26] und also das ganze Israel selig werde, wie geschrieben steht: „Es wird kommen aus Zion, der da erlöse und abwende das gottlose Wesen von Jakob. [27] Und dies ist mein Testament mit ihnen, wenn ich ihre Sünden werde wegnehmen.“ vergleicht Paulus das Haus Juda mit einem Ölbaum. Wenn man verstanden hat, dass es Paulus immer um das Verhältnis des Hauses Juda zum Hause Israel geht, und wenn man das Wort εθνη (ethne), wo angemessen, mit „Stämme“ übersetzt, ergibt sich ein logischer Text. Statt „Blindheit ist Israel zum Teil widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei und also das ganze Israel selig werde...“ heißt es nun: „Blindheit ist Israel zum Teil widerfahren, so lange, bis die Fülle der Stämme eingegangen sei und also das ganze Israel selig werde...“ Das Wort „also“ hat erst jetzt Berechtigung, denn dann, wenn tatsächlich die 10 Stämme eingehen (in den Glauben oder in ihr verheißenes Land), ist somit ganz Israel selig geworden (Jer. 31:31-33[31] Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HErr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen; [32] nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern machte, da ich sie bei der Hand nahm, dass ich sie aus Ägyptenland führte, welchen Bund sie nicht gehalten haben, und ich sie zwingen musste, spricht der HErr; [33] sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel machen will nach dieser Zeit, spricht der HErr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben; und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein;, Jer. 50:4-5[4] In denselben Tagen und zur selben Zeit, spricht der HErr, werden kommen die Kinder Israel samt den Kindern Juda und weinend daherziehen und den HErrn, ihren Gott, suchen. [5] Sie werden forschen nach dem Wege gen Zion, dahin sich kehren: Kommt, wir wollen uns zum HErrn fügen mit einem ewigen Bunde, des nimmermehr vergessen werden soll!). Andersherum ist es unsinnig: Dadurch, dass die Heiden in Fülle eingehen (in den Glauben, wohl nicht in ihr verheißenes Land) wird ja wohl nicht automatisch, durch ebendenselben Vorgang, ganz Israel selig. Gottes Berufung gilt Israel. Gott reut diese Berufung nicht (V. 29). Darum belegen auch die anschließenden Verse, Röm. 11:28-32[28] Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Wahl sind sie Geliebte um der Väter willen. [29] Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. [30] Denn gleicherweise wie auch ihr vordem nicht habt geglaubt an Gott, nun aber Barmherzigkeit überkommen habt durch ihren Unglauben, [31] also haben auch jene jetzt nicht wollen glauben an die Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, auf dass sie auch Barmherzigkeit überkommen. [32] Denn Gott hat alle beschlossen unter den Unglauben, auf dass er sich aller erbarme., dass Paulus nur das Haus Juda und das Haus Israel vergleicht. Beide Teile zusammen sind „das ganze Israel“.

Ähnlich auch in Röm. 9:30-31[30] Was wollen wir nun hier sagen? Das wollen wir sagen: Die Heiden, die nicht haben nach der Gerechtigkeit getrachtet, haben Gerechtigkeit erlangt; ich sage aber von der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt. [31] Israel aber hat dem Gesetz der Gerechtigkeit nachgetrachtet, und hat das Gesetz der Gerechtigkeit nicht erreicht., wo Paulus das neue Israel des Glaubens dem alten Israel der Gesetzes gegenüberstellt: [30] „... Die Stämme [gr. ethne], die nicht haben nach der Gerechtigkeit getrachtet, haben Gerechtigkeit erlangt; ich sage aber von der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt. [31] Das Israel aber, das nach dem Gesetz der Gerechtigkeit getrachtet hat, hat das Gesetz der Gerechtigkeit nicht erreicht.“

Ein weiteres eindeutiges Textbeispiel liefert Röm. 4:16-18[16] Derhalben muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf dass sie sei aus Gnaden und die Verheißung fest bleibe allem Samen, nicht dem allein, der unter dem Gesetz ist, sondern auch dem, der des Glaubens Abrahams ist, welcher ist unser aller Vater [17] (wie geschrieben steht: „Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker“) vor Gott, dem er geglaubt hat, der da lebendig macht die Toten und ruft dem, was nicht ist, dass es sei. [18] Und er hat geglaubt auf Hoffnung, da nichts zu hoffen war, auf dass er würde ein Vater vieler Völker, wie denn zu ihm gesagt ist: „Also soll dein Same sein.“: Im Griechischen steht in Vers 18 für „Völker“ („auf dass er würde ein Vater vieler Völker ...“) das Wort ethnos und muss „Stämme Israels“ bedeuten: [16] „... auf dass ... die Verheißung fest bleibe allem Samen, nicht dem allein, der unter dem Gesetz ist [den Juden], sondern auch dem, der des Glaubens Abrahams ist, welcher ist unser aller Vater [17] (wie geschrieben steht: ‚Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Stämme‘ [gr. ethnon]) vor Gott, ... [18] Und er hat geglaubt auf Hoffnung, da nichts zu hoffen war [nämlich auf Isaak], auf dass er würde ein Vater vieler Stämme [ethnon], wie denn zu ihm gesagt ist: ‚Also soll dein Same sein.‘“

Auch der Brief des Paulus an die Epheser richtet sich an Israeliten. In Eph. 2:11-13[11] Darum gedenket daran, dass ihr, die ihr weiland nach dem Fleisch Heiden [ethne] gewesen seid und die Unbeschnittenen genannt wurdet von denen, die genannt sind die Beschneidung nach dem Fleisch, die mit der Hand geschieht, [12] dass ihr zur selben Zeit waret ohne Christum, fremd und außer der Bürgerschaft Israels und fremd den Testamenten der Verheißung; daher ihr keine Hoffnung hattet und waret ohne Gott in der Welt. [13] Nun aber seid ihr, die ihr in Christo Jesu seid und weiland ferne gewesen, nahe geworden durch das Blut Christi. steht verkürzt: „Darum gedenket daran, dass ihr ... waret ohne Christum, fremd und außer der Bürgerschaft Israels ... Nun aber seid ihr ...“ Wie kann man jemandem zu bedenken geben, dass er ohne Christus außerhalb der Bürgerschaft Israels war, wenn er nicht zuvor Teil Israels war? Das griechische Wort απηλλοτρωμενοι, das Luther mit „fremd und außer“ widergibt, heißt wörtlich übersetzt „entfremdet“. Die Adressaten des Epheserbriefes waren also „entfremdet von der Bürgerschaft Israels“, und somit gehörten sie zu den 10 Stämmen Israels.

An Gal. 2:14Aber da ich sah, dass sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allen öffentlich: So du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du denn die Heiden, jüdisch zu leben? wird deutlich, zu welchen Widersprüchen es führt, dass Martin Luther, dem Kenntnisstand seiner Zeit folgend, die 10 Stämme Israels für ausgelöscht hielt und seine Bibelübersetzung seiner „Theologie der verlorenen Stämme“ anpasst. Was er mit „So du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du denn die Heiden, jüdisch zu leben?“ widergibt, wäre genauer: „So du, der du ein Jude bist, lebst wie die Stämme und nicht wie die Juden, warum zwingst du denn die aus den Stämmen, zu leben wie Juden?“ Und nur so macht der Galaterbrief auch Sinn. In ihm legt Paulus dar, dass die Galater unter dem Gesetz verwahrt waren und das Gesetz als Zuchtmeister hatten, Gal. 3:23-24[23] Ehe denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben, der da sollte offenbart werden. [24] Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, dass wir durch den Glauben gerecht würden.. Paulus zählt sich zu derselben Gruppe, zu der auch die Galater gehören, denn er schreibt: „wurden wir unter dem Gesetz verwahrt“ und „ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen“. Gemeint ist das mosaische Gesetz. Die Leser des Galaterbriefs müssen darum zwingend Israeliten gewesen sein. Siehe auch hier, dass Paulus in den Galatern Weiße adressiert.

Paulus bemühte sich allenthalben um die „Auserwählten“: 2. Tim. 2:10Darum erdulde ich alles um der Auserwählten willen, auf dass auch sie die Seligkeit erlangen in Christo Jesu mit ewiger Herrlichkeit.. Diese Auserwählten hatten nach den Worten des Paulus an Timotheus noch nicht die Seligkeit erlangt, aber sie sind dennoch auserwählt. Der Begriff „Auserwählte“ gilt in der Bibel dem Volk Israel: Psalm 105:6ihr, der Same Abrahams, seines Knechtes, ihr Kinder Jakobs, seine Auserwählten!. Darum müssen es Israeliten gewesen sein, um deretwillen Paulus leidet.

Petrus, Paulus, Jakobus zu den Israeliten gesandt

Der Beginn des ersten Petrusbriefs zeigt, wem Petrus sich verpflichtet fühlte: den Menschen in der Region südlich des schwarzen Meeres (1 Petr. 1:1Petrus, ein Apostel Jesu Christi, den erwählten Fremdlingen hin und her in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien,), den Menschen in genau der Region, zu der die 10 Stämme Israels deportiert worden waren. Sein Brief richtete sich an „Erwählte“, ein Begriff, der in der christlichen Tradition auf gläubige Christen bezogen wurde, in der Bibel aber für die Kinder Israels reserviert ist. Petrus kümmerte sich um das Haus Juda unter den Kindern Israel, siehe Gal. 2:7-9[7] sondern dagegen, da sie sahen, dass mir vertraut war das Evangelium an die Heiden [besser: Stämme, Nationen], gleichwie dem Petrus das Evangelium an die Juden [8] (denn der mit Petrus kräftig gewesen ist zum Apostelamt unter den Juden, der ist mit mir auch kräftig gewesen unter den Heiden [besser: Stämme, Nationen]), [9] und da sie erkannten die Gnade, die mir gegeben war, Jakobus und Kephas und Johannes, die für Säulen angesehen waren, gaben sie mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, dass wir unter die Heiden [besser: Stämme, Nationen], sie aber unter die Juden gingen, ....

Die Briefe des Paulus sind in griechisch verfasst und wurden überwiegend an Orte hellenistischer Prägung in Griechenland und Kleinasien gesandt. Unter den Griechen lebten Israeliten, das war den Juden bekannt. Dem Vers Joh. 7:35Da sprachen die Juden untereinander: Wo soll dieser hin gehen, dass wir ihn nicht finden sollen? Will er zu den Zerstreuten unter den Griechen gehen und die Griechen lehren? ist eindeutig zu entnehmen, dass für die Juden „die Griechen lehren“ bedeutete: „die Israeliten in der griechischen Welt lehren“. Paulus wusste genau, wo die Israeliten waren, er kannte auch die Skythen, Kol. 3:11... da nicht ist Grieche, Jude, Beschnittener, Unbeschnittener, Ungrieche, Scythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus., vgl. hier. Paulus wird von Gott dazu berufen, den Israeliten der 10 Stämme zu predigen – so sagt Apg. 9:15Der Herr sprach zu ihm: Gehe hin; denn dieser ist mir ein auserwähltes Rüstzeug, dass er meinen Namen trage vor den Heiden und vor den Königen und vor den Kindern von Israel.. Was nach Luthers Übersetzung nach einem wirklich großen Auftrag aussieht – die Heiden, die Könige und zusätzlich noch die verstreuten Kinder Israels – ist in Wahrheit nur der Auftrag, zu den 10 Stämmen zu gehen. Die Heiden, die Könige und die Kinder Israel sind ein und dieselbe Gruppe. Die grammatische Konstruktion im Griechischen Urtext von Apg. 9:15 nennt man hendiatrionische Drillingsformel, eine Spielart des Hendiadyoins. Eine der wenigen Übersetzungen, die die Drillingsformel zu erkennen scheint, ist Youngs's Literal TranslationAnd the Lord said unto him, "Be going on, because a choice vessel to Me is this one, to bear My name before nations and kings – the sons also of Israel; ...". Statt „dass er meinen Namen trage vor den Heiden und vor den Königen und vor den Kindern von Israel“ muss es heißen: „dass er meinen Namen trage vor Nationen und Könige – die Kinder von Israel“. Natürlich ist 1. Mose 17:6und will dich gar sehr fruchtbar machen und will von dir Völker [= Nationen] machen, und sollen auch Könige von dir kommen. assoziiert. Den Nachweis, dass Gottes Auftrag nur zu einer einzigen Gruppe bestand (den 10 Stämmen des Hauses Israel) und nicht zu dreien (den Nationen, den Königen, den Kindern von Israel), liefert u. a. Gal. 2:7-9[7] sondern dagegen, da sie sahen, dass mir vertraut war das Evangelium an die Heiden [besser: Stämme, Nationen], gleichwie dem Petrus das Evangelium an die Juden [8] (denn der mit Petrus kräftig gewesen ist zum Apostelamt unter den Juden, der ist mit mir auch kräftig gewesen unter den Heiden [besser: Stämme, Nationen]), [9] und da sie erkannten die Gnade, die mir gegeben war, Jakobus und Kephas und Johannes, die für Säulen angesehen waren, gaben sie mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, dass wir unter die Heiden [besser: Stämme, Nationen], sie aber unter die Juden gingen, .... Apg. 26:6-7[6] Und nun stehe ich und werde angeklagt über die Hoffnung auf die Verheißung, so geschehen ist von Gott zu unseren Vätern, [7] zu welcher hoffen die zwölf Geschlechter der Unseren zu kommen mit Gottesdienst emsig Tag und Nacht. Dieser Hoffnung halben werde ich, König Agrippa, von den Juden beschuldigt. bestätigt, dass Paulus sich vor den Juden verteidigen muss, nicht um möglicher Mühen für die Heiden, sondern wegen seiner Mühen für die Kinder Israels. Die Juden wollten halt den Vorzug ihrer Erwählung nicht mit den verstoßenen 10 Stämmen Israels teilen. Doch Gott kündigt an (Hes. 11:15-16[15] Du Menschenkind, zu deinen Brüdern und nahen Freunden und dem ganzen Haus Israel sprechen wohl die, so noch zu Jerusalem wohnen: Ihr müsset fern vom HErrn sein, aber wir haben das Land inne. [16] Darum sprich du: So spricht der Herr HErr: Ja, ich habe sie fern weg unter die Heiden lassen treiben und in die Länder zerstreut; doch will ich bald ihr Heiland sein in den Ländern, dahin sie gekommen sind.), der Heiland des Hauses Israel am Ort ihres Exils zu werden. Das hat sich für die weißen Völker exakt erfüllt.

Ein weiteres Beispiel für ein Hendiadyoin findet sich in Apg. 13:16Da stand Paulus auf und winkte mit der Hand und sprach: Ihr Männer von Israel und die ihr Gott fürchtet, höret zu!. Paulus scheint nach Luthers Übersetzung zwei Gruppen zu adressieren: Ihr Männer von Israel und die ihr Gott fürchtet. Solche Worte passen gut zu einer „Theologie der verlorenen Stämme“, scheinen doch hier ausdrücklich Nicht-Israeliten (Heiden) angesprochen zu sein. Und doch ist diese Lesart unsinnig. Es kann nicht sein, dass Paulus nicht-gottesfürchtige Israeliten ansprechen will und daneben eine Gruppe von Nicht-Israeliten, die Gott fürchten. Das Hendiadyoin ist eine in der Antike viel gebrauchte Stilfigur, bei der das Attribut eines Hauptwortes durch ein mit „und“ angereihtes zweites Hauptwort ersetzt wird. Richtig übersetzt nennt Paulus seine Zuhörer also: Ihr gottesfürchtigen Männer von Israel.

Viele Nachfahren der 10 Stämme Israels lebten im römischen Reich, auch in Rom. Wie konnte Paulus in seinem Brief an die Römer unterstellen, dass seine Leser Kinder Abrahams waren (Röm. 4:1Was sagen wir denn von unsrem Vater Abraham, dass er gefunden habe nach dem Fleisch?), hätte er nicht Israeliten adressiert? Als Paulus verhaftet wurde, erklärt er, die Verhaftung geschehe, nicht wegen seiner Hoffnung für die Heiden, sondern wegen seiner Hoffnung für Israel (Apg. 28:20Um der Ursache willen habe ich euch gebeten, dass ich euch sehen und ansprechen möchte; denn um der Hoffnung willen Israels bin ich mit dieser Kette umgeben.).

Der Jakobus-Brief wurde vor der Zerstörung Jerusalems geschrieben, die 70 n. Chr. erfolgte. Jakobus richtet ihn an die 12 Stämme Israels: Jak.. 1:1Jakobus, ein Knecht Gottes und des Herrn Jesu Christi, den zwölf Geschlechtern, die da sind hin und her, Freude zuvor!. Wörtlich heißt es dort: „den zwölf Stämmen in der Zerstreuung [gr. = diaspora], Freude zuvor!“.

Bekehrung der Stämme Israels in der Welt

Als Jesus kurz nach seiner Geburt von seinen Eltern im Tempel präsentiert wurde, sagte Simeon (Luk. 2:29-32[29] Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; [30] denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, [31] welchen du bereitest hast vor allen Völkern, [32] ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel.), Jesus sei „ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel.“ Der Heilige Geist, der durch Simeon sprach, macht einen Unterschied zwischen den Heiden, selbst wenn sie erleuchtet sind, und dem Volk Israel, ein Unterschied, der sich bis in den Himmel fortsetzen wird, siehe die Seite Israel im Himmel. Setzt man statt „Heiden“ das Wort „Stämme“ ein und folgt dem Griechischen ganz exakt, sagte Simeon: „... ein Licht zur Offenbarung der Stämme, und Ehre des Volkes von dir, Israel.“ Hier kann man herauslesen – wenn man geneigt ist –, dass Christus das Licht ist, durch das die Stämme in der Welt offenbart, also identifiziert werden können.

Jesaja hatte dem Haus Juda prophezeit, dass es den rechten Glauben nicht erkennen würde (Jes. 6:9-10[9] Und er sprach: Gehe hin und sprich zu diesem Volk: Höret, und verstehet’s nicht; sehet, und merket’s nicht! [10] Verstocke das Herz dieses Volkes und lass ihre Ohren hart sein und blende ihre Augen, dass sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich bekehren und genesen.). Diese Prophetie zitierte Paulus in Rom im Gespräch mit Juden (Apg. 28:25-27[25] Da sie aber untereinander misshellig waren, gingen sie weg, als Paulus das eine Wort redete: Wohl hat der heilige Geist gesagt durch den Propheten Jesaja zu unseren Vätern [26] und gesprochen: „Gehe hin zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr’s hören, und nicht verstehen; und mit den Augen werdet ihr’s sehen, und nicht erkennen. [27] Denn das Herz dieses Volks ist verstockt, und sie hören schwer mit den Ohren und schlummern mit ihren Augen, auf dass sie nicht dermaleinst sehen und mit den Augen und hören mit den Ohren und verständig werden im Herzen und sich bekehren, dass ich ihnen hülfe.„). Etliche Juden wandten sich ab, worauf Paulus vorhersagte, dass dieses Heil Gottes, das er predigte, den „Heiden“ (besser übersetzt: den „Stämmen“) gesandt wäre, und die würden’s hören (Apg. 28:28So sei es euch kundgetan, dass den Heiden gesandt ist dies Heil Gottes; und sie werden’s hören.). Die christliche Lehre gehört und angenommen haben in Folge nur die weißen Völker. Wenn man will, kann man das als eins von sehr vielen Indizien ansehen, das die weißen Völker als Stämme Israels identifiziert. Die Mission anderer Ethnien ging von Europa aus und erfolgte sehr viel später: in Südamerika nicht vor 1500, in vielen anderen Regionen erst im 19. Jahrhundert.

Die komplette Bekehrung ganzer weißer Völker unmittelbar nach der Aussendung der Apostel geht z. B. aus dem schon zitierten schottischen Dokument Declaration of Arbroath von 1320 hervor. Dort heißt es: „Der hohe Stand und Verdienst dieser Menschen [der Schotten], wäre er nicht schon anderweitig offensichtlich, ergibt sich zur Genüge aus Folgendem: dass nämlich der König der Könige und Herr der Herren, Jesus Christus, nach seinem Leiden und seiner Auferstehung, ebendiese, die in den entlegensten Regionen der Welt lebten, gewissermaßen als Erste zum allerheiligsten Glauben berief. Auch wollte er sie nicht durch irgendwen, sondern durch den Apostel in besagtem Glauben gegründet sehen, der nach der Berufung der Erste war, im Rang zweiter oder dritter, nämlich der heilige, hochmilde Andreas, des gesegneten Petrus eigener Bruder, und wollte sie für immer seinem Patronat anbefehlen.“Quorum Nobilitates et Merita, licet ex aliis non clarerent, satis patenter effulgent ex eo quod Rex Regum et dominancium dominus Jhesus Christus post passionem suam et Resurreccionem ipsos in vltimis terre finibus constitutos quasi primos ad suam fidem sanctissimam conuocauit. Nec eos per quemlibet in dicta fide confirmari voluit set per suum primum apostolum vocacione quamuis ordine secundum vel tercium, sanctum Andream mitissimum beati Petri Germanum, quem semper ipsis preesse voluit vt Patronum.

(Aus: National Archives of Scotland: Declaration of Arbroath, 1320)


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